Wer kann mir konkret helfen?

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CH
Beiträge: 1
Registriert: Freitag 23. Oktober 2020, 17:33

Wer kann mir konkret helfen?

Beitrag von CH »

Hallo!
Seit jetzt 10 Jahren bin ich schwerbehindert. Ich suche eine Stelle, am liebsten 3-4 Tage in der Woche. Und ehrlich gesagt, ich bin langsam verzweifelt. Ich war bei der Agentur, ich habe mit einige Institutionen der Stadt gesprochen. Aber ganz ehrlich, konnte mir keiner so wirklich richtig helfen. Die Wirklichkeit sieht echt schlecht aus. Zwischen Theorie und Praxis liegen Galaxien und noch Jahrhunderte. Manchmal komme ich mir vor als würden wir im Mittelalter leben. Sätze wie: „hätte ich gewusst, dass Sie schwerbehindert sind, hätte ich Sie gar nicht eingestellt...“. „Können Sie...“, „man sieht nicht, dass...“, „wie oft sind Sie dann nicht arbeitsfähig?“...

Also kurz und bündig! Wer kann mir konkret helfen?

Vielen Dank im Vorraus!
RehaRat
Beiträge: 4
Registriert: Samstag 28. November 2020, 17:20

Re: Wer kann mir konkret helfen?

Beitrag von RehaRat »

Konkrete, kurze Antwort: Es kommt v. a. auf Sie an und das Glück gute Berater zu finden. Dazu kann gehören: mit einem Begleiter zur Beratung zu gehen.

Ausführlicher:
Weil Sie nach 10 Jahren Suche noch keine passende Beschäftigung gefunden haben, ist Ihr Wunsch nach "konkret"er Hilfe verständlich. Allerdings kann niemand auf Ihren Beitrag so, wie von Ihnen gewünscht "kurz und bündig" antworten. Dazu fehlen zu viele Informationen. Es ist eine unrealistische Erwartungshaltung!

Bedeutet "Agentur", dass Sie in Deutschland leben und bei der Agentur für Arbeit (früher: Arbeitsamt) Rat gesucht haben?

Als Ergebnis eines Besuches bei der Agentur für Arbeit (in Deutschland) sollte ein Datensatz aufgenommen worden sein. Im Erstgespräch wäre es, einleitend, um folgende Frage gegangen:
Was erwarten Sie von einer Beratung? Was möchten Sie mit dem Berater besprechen?

Beispiel: Sie könnten z.B. sagen:
Bitte helfen Sie mir. Ich möchte gerne arbeiten und suche Arbeit als ? (Beruf / Branche)
Derzeit lebe ich von ?
Ich bin Bürokaufmann (Abschluss 2000), seit 10 Jahren ohne Beschäftigung und seit (2010) an (Krankheit?) erkrankt.
Ich habe einen GdB ? und einen Schwerbehindertenausweis.
Ich bin angewiesen auf folgende Hilfsmittel und Arbeitsplatzbedingungen.
Ich suche eine Beschäftigung in der Branche ?, weil ich gerne mit ? arbeite.
Ich bin auf den Öffentlichen Personnahverkehr angewiesen und suche eine Arbeit in (Ort / Stadt)
Die Beschäftigung wäre idealerweise an 4 Tagen die Woche, á 6 Stunden.

In diesem oder einem Folgegespräch wird es wahrscheinlich um folgende Themen gehen:
Meine Stärken sind: (nennen Sie mindestens fünf Stärken)
Meine Schwächen sind. Welche dieser Schwächen sind hinderlich bei der Suche nach Arbeit. Sehen Sie eine Chance diese Schwächen abzubauen.

Je nach (Ihrer) persönlichen Situation wären Sie ggf. von der Arbeitsvermittlung an die Reha-Beratung weitergeleitet worden.
Ggf. wären Ärztliche Gutachen eingesehen / erstellt worden.
Auf Basis von einem / zwei weiteren Gesprächen wäre dann ggf.
- ein Stellengesuch für Sie erstellt worden.
- eine Weiterbildung / Qualifizierung geplant worden
- eine Überstellung an einen anderen Kostenträger erfolgt (z. B. Deutsche Rentenversicherung).

Angenommen, es wäre eine Stellengesuch erstellt worden und Sie wären nicht innerhalb vertretbarer Zeit in Arbeit gebracht worden, wäre nachzudenken über:
- Weiterbildung / Qualifizierung
- Umschulung
- Unterstützte Beschäftigung.
- Je nach Dauer der Arbeitslosigkeit und Dauer eines Leistungsbezuges (Arbeitslosengeld II) wäre zu prüfen, ob Sie ggf. mit Unterstützung nach dem Teilhabechancengesetz vermittelt werden könnten.

Meine Empfehlungen:
- Melden Sie sich bitte als Ratsuchender bei der Agentur für Arbeit an Ihrem Wohnort und bitten Sie um einen Beratungstermin.
- Wenn Sie sich nicht an die Agentur für Arbeit wenden möchten, können Sie auch überregionale Weiterbildungsträger konsultieren und sich erkunden, ob diese Träger Menschen mit Behinderung in Arbeit vermitteln.
- Wenn Ihre Situation so sein sollte, dass Sie finanziell abgesichert sind, denken Sie mal über a) Ehrenamt und b) Bundesfreiwilligendienst nach.

Bereiten Sie sich auf jeden Fall auf die Frage vor, ob Sie eine Idee haben, warum Sie seit 10 Jahren ohne Arbeit sind.

Viel Erfolg für einen neuen Anlauf.

H.G.

Dieser Beitrag stellt keine Rechtsauskunft dar.
Es wird keine Gewähr für die Korrektheit der Aussagen gegeben.
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